Archiv für die Kategorie ‘e-card’
Ich gehe gerne zu McDoc
eine Ergänzung zu Markus Franz: “McDoc macht Medizin”
Unser Leben beschleunigt sich täglich, wir wollen trotzdem der Herr unserer Zeit bleiben, Probleme müssen “in real time” sofort gelöst werden.
Wann wird endlich unsere Gesundheit und das System, das sie erhalten soll, ebenso zeitgemäß werden ?
Es kann doch nicht sein sein, daß wir auf Untersuchung und Behandlung warten müssen, oder sie nicht überall und jederzeit verfügbar ist, wann und wo immer wir sie brauchen.
Wann endlich werden billige, jederzeit verfügbare McDoc`s das Land überziehen und willfährig, vernetzt, standardisiert, kontrolliert und “qualitätsgesichert” (so wie die Temperatur des ausgegebenen Kaffee`s) die Wünsche der Patienten sofort erfüllen ?
Was wir dort genauso wenig finden werden wie in den entsprechenden “Restaurants” ist persönliche Ansprache, Zuwendung, Betreuung, Menschlichkeit, Vertrauen und vieles mehr…
Aber wer braucht das schon in unserer modernen Welt ?
Diejenigen, die diese Qualitäten noch schätzen und brauchen, haben in dieser modernen Welt keine Stimme mehr
Des Kaisers neue Kleider
Gastkommentar von Dr. Christian Euler
Vor knapp dreihundert Jahren führte Hans Christian Anderson die schon viel ältere Darstellung einer alles in den Schatten stellenden Eitelkeit in unseren Märchenschatz ein.
Einem prunksüchtigen König wird ein sündhaft teures Gewand angeboten, dessen kostbarer Stoff nur von jenen gesehen werden kann, die ihr Amt zu Recht bekleiden und nicht dumm sind. Es bleibt schließlich einem arglosen Kind überlassen mit dem Ausruf: „aber er hat ja gar nichts an“ den König und seine Getreuen bloß, und die unverfälschte Wahrnehmung wieder herzustellen.
Wollte ein Regisseur- wie heute üblich- das Stück mit Gegenwartsbezug zur Aufführung bringen, müsste er es rund um ELGA siedeln.
In kindlichem Glauben an die Vernunft bemüht sich der Hausärzteverband den unrealistischen Erwartungen an die Gesundheitselekronik entgegenzutreten. Die erste von vier ELGA-Säulen, die e-Medikation, geht von falschen Voraussetzungen aus. Eine englische Forschergruppe bescheinigte ihr im Juni 2011 in allen Punkten, von der Arbeitserleichterung für Anwender, über günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis, bis zur Verbesserung der Therapiesicherheit keine oder nur niedrigste Evidenz.
Das aber können „die Könige“ nicht sehen. Eine tüchtige IT-Lobby hat Ihnen mit über 60.000 wissenschaftlich wertlosen Arbeiten den Stoff vorgestellt, den nur jene verstehen, die zu Recht ihr Amt bekleiden und nicht dumm sind. Wer wollte es da riskieren, sich eine Blöße zu geben. Was der Stoff kostet ist noch unbekannt. Bitte nicht kleinlich sein, wenn Großes umgesetzt wird. Die einzigen, die bisher wirklich umsetzen sind die IT-Konzerne, sie weben weiter an dem für sie wertvollen Stoff.
So also stehen die eifrigen Reformer da, umgeben von deren Hofstaat, den Meinungsmachern im Gesundheitswesen, den sich staatstragend fühlenden Kämmerern, den mit dem Gefühl besonderer Wichtigkeit geblendeten Patientenvertretern und fordern, angetan mit einem schuldenfinanzierten, aus Hirngespinst gewebten Ornat aus Fortschrittsglauben und Realitätsverlust und tadeln die Ärzteschaft ihrer blinden Sturheit wegen.
Wir aber müssen diesen Märchenfaden nicht sehen, sind wir doch wegen unserer grundsoliden universitären Ausbildung und dem täglich neu bekräftigten Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten im Amt. Wir sehen die Wirklichkeit und warnen laut und beharrlich vor dem Weg, auf den die Nackten unsere Patienten führen wollen.
Statistik als Herrschaftswissen und Machtinstrument
Wir Ärzte sind darin geschult, aus Information Wissen zu generieren, Wissen, das durch unser Können patientenzentriert angewendet wird und erst dadurch zu einem Nutzen für den Einzelnen wird.
Durch die Nutzung der EDV in den Praxen und im Spital als Werkzeug für Dokumentation, Überweisungen, Einweisungen und Verordnungen, entstehen ohne zusätzlichen Aufwand so genannte Routinedaten, nach denen verschiedenste staatliche und private Organisationen gieren.
Aus diesen Informationen werden Statistiken und darauf basierend “Reformprogramme” erstellt.
Vergessen wird daß nur die „Datengenerierer“ die grundsätzliche Relevanz der erhobenen Daten beurteilen können und statistische Mittelwerte die schillernde Vielfalt ärztlicher Arbeit auf ein spröde wirkendes Gerüst von Tabellen reduzieren. Wer die ärztliche Arbeit nicht kennt, kann daher nicht gut von der Tabelle auf die Wirklichkeit schließen.
Erhobenen Zahlen werden oft allerdings nicht veröffentlicht. Statistisches Wissen galt als Arkanwissen, es ist nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Die genannten Organisationen verhindert gerne auch daß Privatpersonen versuchen Material zu publizieren.
Veröffentlichungen von Zahlenmaterial und die Interprätation der Daten blieben somit oft das Werk gut vernetzter Einzelpersonen
ELGA , “integrierte Versorgung” , Gesundheitskonzerne und der freie Arzt
Die Notwendigkeit der Einführung von ELGA wird sehr häufig in Zusammenhang mit dem Begriff “Integrierte Versorgung” betont.
“Integrierte Versorgung” aus der Sicht der Gesundheitspolitik (siehe 15a-Vereinbarung, ÖSG, Studie „Dokumentation im ambulanten Bereich) ist Einkauf medizinischer Leistungen beim jeweils günstigsten Anbieter, damit Schaffung eines (für manche GDA`s ruinösen ) ökonomischen Wettbewerbes ohne Rücksicht auf die Qualität. („Man kann immer etwas noch ein bisschen billiger und schlechter machen“)
Das Ministerium für Gesundheit wird ganz im Sinne des Orwell`schen Neusprechs zum Ministerium für Krankheitskostenkontrolle und Leistungslimitierung !
Integrierte Versorgung führt so in Wirklichkeit zur Desintegration der medizinischen Betreuung , Hauptsache ist nur billig !
Intergrierte Versorgung=integrierte Kontrolle=integrierte Schikanierung der GDA`s und Patienten durch Bürokraten ! -> ELGA soll das Werkzeug dazu sein !
Planwirtschaft funktioniert aber nirgends wirklich, schon gar nicht bei kranken Menschen !
Wer Datenaustausch mit Information verwechselt und Information mit Kommunikation ist sicher ein Gesundheitsreformer. Sein Ziel ist Verwaltung von Krankheiten statt Betreuung kranker Menschen.
Jedes Detail zeigt uns: die Elektronik steht im Dienste der Bürokratie und nie im Dienste der Kranken und deren Behandler.
Wollen wir die Unterstützung der Behandler durch verbesserte Information oder nur Kostenminimierung/-verlagerung durch ökonomische Schikanen von dem Patienten gegenüber persönlich nicht verantwortlichen Bürokraten ? (Stichwort „Kaiser Permanente“ / USA)
Die Fortschritte in der Medizin führen zu einem nicht mehr finanzierbaren sozialen Gesundheitswesen. Nur durch konsequente Rationierung wird das soziale Gesundheitswesen in Zukunft durch die schrumpfende Zahl von Arbeitnehmern finanzierbar bleiben. Rationierung ist ein Unwort in der Politik, also darf es nicht ausgesprochen werden.
Ein freier Arzt aber kommuniziert die Rationierung mit seinem Patienten, ein angestellter Arzt wird dies nicht mehr dürfen. Hier wird die Maulsperre per Arbeitsvertrag geregelt. So einfach ist das. Je weniger Konzerne sich nun den Gesundheitsmarkt teilen, um so einfacher wird es für die Politik.
Mit ELGA vom eigenverantwortlichen Arzt zum entmündigten Bittsteller
Weil die Ressourcen für die Krankenversorgung immer mehr verknappt werden, werden Leistungen ”gedeckelt”, bei den Medikamenten, den Untersuchungen, und vieles Andere, und Ärzte müssen entscheiden, wer welche Leistung bekommt und wer nicht. Diese Selektion durchzuführen ist für einen Arzt oft schwierig und auch emotional bedrückend. Ein Bürokrat aber kann im stillen Kämmerchen, ohne den Patienten persönlich zu kennen, mit Knopfdruck entscheiden. Solche Ansätze gibt es bereits. Eine Funktion der e-Card zum Beispiel ist der Arzneimittel-Bewilligungs-Service (ABS), über den Kassen-Ärzte schriftlich begründen müssen, warum Sie einem Patienten ein bestimmtes Medikament verschreiben wollen. Wenn der Kontrolleur auf der anderen Seite des ABS meint, etwas an der Begründung sei formal nicht in Ordnung, sendet er einfach elektronisch „abgelehnt” – aber der hat auch nicht dem Patienten gegenüber die Verantwortung. Die fachlichen Entscheidungsspielräume des behandelnden Arztes werden so eingeengt und die Ärzte zu Bittstellern ohne fachlichen Ermessensspielraum degradiert. ELGA wird dieses online (“in Echtzeit”) ”Mind-Mapping” der Ärzte optimieren – bereits zum Zeitpunkt der Verschreibungsabsicht ist der Arzt transparent (siehe z. B. E-Medikation). Wobei ich mich in diesem Zusammenhang nicht vor ELGA fürchte – sondern vor dem was Bürokraten damit machen werden.
Patient – Arzt: Prozessqualität bitte auch in der Gegenrichtung !
Bei allem Verständnis für den Anspruch der Patienten nach best-möglicher Qualität in der ärztlichen Betreuung, die ja besonders auch durch verschiedenste E-Health-Anwendungen und ELGA weiter verbessert werden soll, drängt sich mir doch der Gedanke auf, diese auch in der Gegenrichtung, nämlich bei den Voraussetzungen, die der Patient mitbringt, zu fordern.
Was spricht wirklich dagegen, daß sich der Patient strukturiert auf den Arztbesuch vorbereitet (seine Anamnese ausfüllt), die der Arzt problemlos und vom Patienten (digital) signiert in seine Arztsoftware oder Krankenhausinformationssystem übernehmen kann ? (Hier kann der Patient wirklich im Sinne des Patienten-Empowerment selbst aktiv werden – siehe Leitgedanke von www.gesundheit.gv.at )
Was spricht dagegen, daß der Patient, nachdem er sich über audiovisuelle Hilfsmittel am PC entsprechend informiert hat und die Gelegenheit zu ergänzenden Fragen an den behandlenden Arzt hatte, den OP-Revers ( digital signiert ) unterschreibt und dieser automatisch in das KIS übernommen wird ?
etc., etc.
Hier könnte (vielleicht ?) E-Health/ELGA endlich einmal wirklich den ärztlichen Alltag von Bürokratie entlasten !
siehe dazu auch Diskussion auf http://www.initiative-elga.at/forum/viewtopic.php?id=82
ELGA und die Autobahn durch die Kleingartensiedlung
Es war einmal eine Stadt, die vorwiegend aus kleinen, einfachen Häusern mit Gärten bestand. Natürlich wurden im Laufe der Zeit auch einige immer größere Wohnbauten und sogar 2 mächtige Wohnblöcke in grüner bzw. roter Farbe gebaut.
Die Menschen kommunizierten an den Zäunen ihrer Gärten oder auch auf den Straßen und nahegelegenen Marktplätzen lebhaft persönlich miteinander und hatten ihren Arbeitsplatz meist in der Nähe ihres Wohnortes, den sie in kurzer Zeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad, was billig war und auch ihrer Gesundheit diente, erreichen konnten. Nur wenige benötigen auf Grund größerer Entfernung zu ihrem Arbeitsplatz ein Auto, was die Umwelt schonte und sie vor den hohen Kosten für importiertes Erdöl bewahrte. Dies empfanden sie als wünschenswerte und zufriedenstellende Lebens- und Arbeitsqualtät.
Irgendwann wollten die Politiker die Menschen verstärkt am technischen Fortschritt teilhaben lassen und etwas für ihre Sicherheit und ihren Komfort tun. Eine mächtige Autobahn quer durch die Stadt, auf der die Autos schneller fahren und Lasten bequemer transportiert werden könnten, sollte gebaut werden.
Techniker wurden für die Planung beauftragt und priesen in höchsten Tönen ihre Kenntnisse und Verfahren, es sei leicht und rasch möglich alle Wünsche der Politiker umzusetzen. Man würde schneller und bequemer von einem zum anderen Ende der Stadt kommen und es würden auf der gut ausgebauten und breiten Autobahn weniger Unfälle passieren. Das gleichmäßige Tempo würde auch den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch und damit Kosten senken.
Die Politiker wollten die Menschen mit diesem Projekt überraschen und waren sich sicher, daß sich die Menschen über deren Weitsicht und Großzügigkeit freuen würden.
Nach und nach erfuhren jedoch immer mehr Menschen von den Plänen der Politiker und begannen sich Gedanken über dieses Projekt zu machen und dies untereinander zu diskutieren.
Den offensichtlichen Vorteilen des Projektes standen auch Nachteile und Risiken gegenüber: Viele kleine Häuser und Gärten müßten niedergerissen und die Bewohner in größere Wohnblöcke umgesiedelt werden. Auch ihre Arbeitsplätze würden in größere Fabriken, die dann allerdings weiter entfernt sein würden, verlegt. Die Autobahn selbst müßte durch hohe Zäune geschützt werden, damit keine Menschen diese zu Fuß oder mit ihren Fahrrädern überqueren könnten, um entsprechende Unfälle zu verhindern. Auch ihre Kinder und die Haus- und Wildtiere dürften nicht mehr frei in der Nachbarschaft herumlaufen, um nicht beim Überqueren der Autobahn eine Gefahr für die Autos darzustellen bzw. selbst überfahren zu werden. Unfälle auf der Autobahn hätten durch das höhere Tempo viel schlimmere Folgen und würden zu Staus führen, die die Versorgung der ganzen Stadt beeinträchtigen würden. Die Polizei müßte verstärkt und durch technische Mittel in die Lage versetzt werden, die Autobahn intensiv zu überwachen. Gesetze, die all das regeln, müßten ausgearbeitet werden.
Für alle diese Maßnahmen müßten die Bürger natürlich selbst die Kosten übernehmen, sie müßten um dieses Geld zu verdienen dann natürlich länger arbeiten und hätten weniger Zeit für sich und ihre Familen.
Viele Menschen waren traurig, daß sie nicht mehr einfach am Zaun mit Ihren Nachbarn plaudern würden können, sondern große Umwege erforderlich wären, da die Autobahn sie von ihren Freunden trennte. Auch bräuchten viele dann ein Auto, um einzukaufen oder ihren Arbeitsplatz zu erreichen, was sie sich nur schwer leisten könnten. So begannen einige besorgte Bürger mit den Politikern und Planern zu sprechen und konnten erreichen, daß die Autobahn zumindest weit genug entfernt von Naturschutzgebieten und Kindergärten geplant würde, die Politiker versprachen auch, durch zusätzliche Maßnahmen zu verhindern, daß der Lärm und die Abgase von der nahe liegenden Autobahn die Gesundheit der Bürger beeinträchtigen würde.
Es zeigte sich auch, daß die Autobahn nicht so rasch wie ursprünglich geplant gebaut werden konnte, da die Baufirmen anfangs stark um Aufträge konkurrierten und sich nicht so schnell auf die verwendeten Materialien einigen konnten. Manche Firmen verloren im Laufe der Zeit auch überhaupt das Interesse und widmeten sich dem privaten Straßenbau.
Auch nach einigen Jahren der Vorarbeit für das Projekt Autobahn wußte noch immer die Mehrheit der Bürger der Stadt nichts von den Plänen der Politiker. Andere hatten vage davon gehört und meinten, es sei doch heute doch selbstverständlich überall Autobahnen zu bauen. Es gab aber auch nicht wenige, die meinten, eine Stadt, durch die eine solche große Autobahn gebaut würde, sei nicht mehr lebenswert und sie würden diese sicher verlassen, um sich einen Ort zu suchen, wo die Luft noch sauber wäre und sie noch ungestört mit ihren Nachbaren plaudern und ihre Kinder und Haustiere in der Nachbarschaft herumlaufen könnten.
Und wenn sie nicht gestorben sind, schwärmen die Politiker immer noch von den Vorteilen der Autobahn, die Firmen widmen sich wieder anderen Bauaufträgen und die Bürger wissen noch immer nicht genau wie ihre Stadt in einigen Jahren aussehen wird.
Jede Ähnlichkeit des Inhaltes dieses Märchens zur Planung von ELGA ist natürlich rein zufällig !