Initiative-Elga-Blog

Informationen zu ELGA und E-Health in Österreich

Archive for the ‘Uncategorized’ Category

ELGA: Die „elektronische Gesundheitsakte“: Vernunft in die Diskussion bringen!

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Seit Oktober 2006 bemühen wir, Dr. Susanna Michalek und Dr. Christian Husek, Allgemeinärzte im 23. Bezirk in Wien,  uns als „Initiative ELGA“,  ärztliche Standpunkte, insbesondere aus dem Blickwinkel der Allgemeinmedizin, in die Planung und Gestaltung der  ELGA einzubringen. Wir wollen Ihnen, geschätzte Leser und Leserinnen des „DAM“, in einer Artikelserie Informationen zum Thema „ELGA“ geben und Sie um Ihre Stellungnahmen und Mitarbeit bitten.

Auslöser für unsere Aktivitäten war vor allem ein Interview in „Medical Tribune 43/2006“ mit dem damaligen Kabinettschef und jetzigem Sektionschef im Gesundheitsministerium Dr. Auer,  dem ministeriellen „Mastermind“ hinter ELGA und anderen gesundheitspolitischen Maßnahmen. 
Dr. Auer`s dort kolportierte Absichten wollten wir in dieser Form keinesfalls hinnehmen („Momentan sammeln sich die Auftraggeber, Länder, Bund und Sozialversicherung und finden heraus, wie ELGA umgesetzt werden soll. Dann werden die einzelnen Gesundheitsdiensteanbieter eingebunden. Der IT-Einsatz wird die Produktivität im Gesundheitssystem aber insgesamt enorm steigern. Es wird ein sehr natürliches Lenkungssystem sein, auch im Sinne der Patienten“). Wir begannen das Gespräch mit den Verantwortlichen und Technikern zu suchen, uns in die Diskussion einzubringen  und waren überrascht von der freundlichen Aufnahme und Bereitschaft, insbesondere der Techniker,  unsere Einwände und Vorschläge anzuhören und zu diskutieren.  Viele versicherten uns im 4-Augengespräch, daß sie persönlich nichts vom damaligen Konzept der „ELGA“ (z. B. verpflichtende Teilnahme und Erfassung aller Gesundheitsdaten eines Patienten) hielten und keinen Hausarzt akzeptieren würden, der ihre Gesundheitsdaten so verwenden würde.  Als Auftragnehmer des Ministeriums und der Sozialversicherungen müßten sie aber deren  Aufträge umsetzen. Die inhaltliche Gestaltung liege vor allem auch an den Ärzten, von denen zu wenige sich mit dem Thema auseinandersetzten und zu wenig in die Gestaltung einbrächten.  Wir wiederum kritisierten von Anfang an die fehlende  Information, Transparenz und das fehlende Akzeptanzmanagement von Seiten der Verantwortlichen.  
Heute , Jahre danach, hat sich Vieles, vielleicht auch durch unsere Informationen und Diskussionsbeiträge,  am Konzept von ELGA geändert, leider insgesamt aber noch nicht so, daß wir als Ärzte vorbehaltlos (siehe „ELGA-Gesetz-Entwurf“) der weiteren Umsetzung von ELGA zustimmen könnten. Die Verantwortlichen in Ministerium und SV mußten, wie z.B. auch beim gescheiterten e-Medikations-Pilotprojekt, einsehen, daß es nicht möglich ist, Projekte ohne die Unterstützung der Betroffenen (Ärzte, Apotheker und Patienten), und schon gar nicht entgegen deren Wünsche umzusetzen.  Andererseits müssen auch wir Ärzte akzeptieren, daß wir die Möglichkeiten moderner elektronischer Kommunikation nutzen sollten, wenn sie unsere tägliche Arbeit unterstützen (und nicht behindern!)  und keine Gefährdung für den Schutz der besonders heiklen Gesundheitsdaten entsteht. Dazu ist es notwendig, daß wir als Ärzte unsere Vorstellungen, Wünsche und Forderungen formulieren und mit kräftiger Stimme Nachdruck verleihen, wo immer wir können und auch die  Betroffenen, unsere Patienten,  beim täglichen Kontakt entsprechend informieren.
In diesem Sinne bitten wir Sie um tatkräftige Mitarbeit !

 

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 17:15

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„Zentrale PartnerVerwaltung“: Hauptverband und Krankenkassen wären bereits jetzt in der Lage unsere Administration wesentlich effektiver unterstützen!

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Während sich die Gier der Kassen und des Hauptverbandes nach Daten und Informationen aus unseren Praxen laufend steigert, verweigern diese uns  oft notwendige oder hilfreiche Informationen mit dem Hinweis auf den Datenschutz.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie alle erinnern sich  wahrscheinlich an viele Situationen aus Ihren Praxen, wo trotz aller Ihrer Bemühungen und oft mühsamer Diskussionen nicht klärbar war, bei welchem Vertretungsarzt ein Patient oder dessen Angehöriger „irrtümlich“ mit der E-Card den „Regelfall gesteckt“ hat oder warum ein Patient plötzlich „keinen Versicherungsanspruch“ mehr hat.  Wie wir mittlerweile alle wissen sind dann Anrufe bei der E-Card – Hotline ohnehin sinnlos und die entsprechenden Krankenkassen verweigern jede Auskunft mit Hinweis auf den Datenschutz. Warum AMS-Abmeldungen offenbar sofort vom E-Cardsystem erfaßt werden, die Erfassung der Anmeldungen durch das E-Card-System dagegen aber oft einige Tage bis Wochen dauern, bleibt ohnehin ein Rätsel.

Auch Adresse  und Dienstgeber in unserer Administration aktuell zu halten (wer wie ich Substitutionspatienten betreut, kennt die Schwierigkeiten und die dahinter stehende rechtliche Problematik!)  oder auf die neue Handynummer oder E-Mailadresse eines Patienten aufmerksam zu werden, erfordert ständiges Nachfragen bei jedem Besuch eines Patienten oder zumindest ein gewisses Gespür für dessen richtigen Zeitpunkt bei unseren Praxismitarbeiterinnen und damit nicht unerheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. 

Dabei stehen alle diese Daten und noch viele mehr (z.B. Zusatzadressen,  gesetzliche Vertreter und Bevollmächtigte, familiäre Beziehungen) den Mitarbeitern verschiedenster Abteilungen des Hauptverbandes und der Krankenkassen sehr wohl auf Knopfdruck zur Verfügung: das Zauberwort dafür heißt:   „Zentrale PartnerVerwaltung“ („ZPV“). Auch Zugriffe von extern durch Mitarbeiter der Exekutive, des AMS, von Gerichten von Krankenanstalten auf dieses System sind vorgesehen.

Auf Nachfrage bei diversen Verantwortlichen warum diese Informationen uns Ärzten (natürlich nur bei Bedarf und mit Einverständnis des Patienten) nicht zugänglich gemacht werden bekam ich immer wieder nur das Argument des Datenschutzes erwidert. Ich frage mich da schon, wer wohl mehr Vertrauen des Bürgers/Patienten und damit auch Berechtigung so ein System zu benützen, genießt: der anonyme Verwaltungsbeamte bei der Sozialversicherung für ich weiß nicht welchen Zweck, ohne Wissen des Betroffenen,  oder sein oft langjährig bekannter Vertrauensarzt im Anlaßfall.

Als quasi Nebeneffekt ließe sich sehr einfach eine Art „ELGA light“ technisch unterstützen, wo relevante Befunde automatisch den entsprechenden Zuweisern oder eben auch dem Hausarzt mittels der seit Jahren bewährten Befundübertragungssysteme (DaME, MedicalNet) zugestellt werden könnten.

Die geschilderte Problematik betrifft  zwar die Funktionalität des E-Card-Systems und nicht unmittelbar die von ELGA, die Betreiber sind aber die selben!  Die Art und Weise wie hier mit uns Ärzten umgegangen und argumentiert wird sind wohl kein Anlaß für einen hoffnungsvollen  Blick in eine ELGA-Zukunft …

 

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 17:11

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5 verschiedene Vertraulichkeitsstufen medizinischer Daten: ein solider schweizerischer Ansatz zur Wahrung der „Privacy“

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Zum Schutz der  „Privacy“, der Privatsphäre und sensibler Informationen des Patienten werden im schweizerischen E-Health Konzept  fünf verschiedene Vertraulichkeitsstufen unterschieden, die separat  vom Patienten freigegeben werden können. Eine Bewertung  der  Situation in Österreich unter diesen Blickpunkten:

1)      administrative Daten:   in Österreich können Name, Vorname, Geschlecht, Versicherungsnummer, Krankenkasse und aktueller Versicherungsanspruch können mittels E-Card-System abgerufen werden.  Wichtige weitere Daten wie Adresse, Dienstgeber, Telephonnummer, E-Mailadresse, etc. verweigert uns aber die Politik und die Sozialversicherung  mit dem Argument des Datenschutzes, obwohl vermutlich nur wenige Bürger Vorbehalte gegen die elektronische Verfügbarkeit dieser Daten für berechtigte „Gesundheitsdiensteanbieter“ haben und die gesetzlichen Voraussetzungen durch ASVG §31a und das „ELGA-Gesetz“ zu regeln wären. Hauptverband bzw. Krankenkassen sind bereits seit einigen Jahren technisch in der Lage  uns diese Informationen mittels E-Card System jeweils aktualisiert („zentrale Partnerverwaltung“) zu übermitteln. Hier ist beträchtliches Verbesserungspotential  auf Seiten der Sozialversicherung gegeben.

2)      nützliche Daten: Informationen, die der Patient selbst allen Behandelnden zugänglich machen möchte,  z.B. Allergien, wesentliche  Krankheiten in der Anamnese, Patientenverfügungen, Kontaktpersonen: erst wenn ein solches gut konzipiertes und vom Patienten mitgestaltetes bzw. autorisiertes  sogenanntes „Patientsummary“ zur Verfügung steht, wird für uns Behandelnde ein Informations- und Zeitgewinn durch ELGA entstehen. Die Konzeption des „Patientsummary“ erweist sich aber(nicht nur bei uns)  schwieriger als erwartet, da die Anforderungen und Wünsche verschiedener  Behandler äußerst unterschiedlich sind und ein tragfähiger Kompromiss zwischen einfacher Übersicht und Vollständigkeit gefunden werden muss, was insbesondere dort, wo wir es am meisten benötigen, nämlich bei komplexen Krankengeschichten schwierig ist. Die von den Technikern angedachte ausschließlich automatisierte Erstellung des Patientsummary bleibt  eine Illusion, ohne individuelle ärztlich- fachliche Unterstützung  bei der Erstellung  und laufenden Aktualisierung ist mit einer unüberschaubaren Datenflut bei gleichzeitigem Informationsmangel zu rechnen. Von einer praktischen Umsetzung in ELGA sind wir noch viele Jahre entfernt.

3)      medizinische Daten:  ELGA  sieht vor Entlassungsberichte, Labor- und Röntgen-Befunde und  Medikationsdaten allen berechtigten Behandlern  zeit- und ortsunabhängig zugänglich zu machen. Allerdings wird ELGA genauso wie die seit Jahrzehnten bewährte gerichtete Kommunikation  (DaMe, MedicalNet) nur so nützlich sein wie auch tatsächlich freigegebene („validierte“) Dokumente bedarfsaktuell vorhanden sind. Derzeit durchaus übliche t age-  bis wochenlange Verzögerungen der Validierung in den verschiedensten Einrichtungen reduzieren den Informationswert für den Weiterbehandler  auf Nahe-Null und stellen mehr ein  „kulturell – menschliches“ („human factor“) als ein technisches Problem dar, das in vielen Bereichen dringend zu lösen ist.  

 

4)      stigmatisierende Daten: Medizinische Informationen, die dem Patienten nach seiner Einschätzung im privaten oder beruflichen Leben schaden könnten (z.B. heikle Diagnosen):
nach dem ELGA Gesetz sind bestimmte medizinische Berufsgruppen (Amtsärzte, Schulärzte, Betriebsärzte und andere) vom Zugang zu ELGA ausgeschlossen, um Nachteile für den Patienten  in beruflichen oder anderen Bereichen zu vermeiden.  Es bleibt aber abzuwarten, wie weit und in welcher Form Versicherungen und andere Organisationen Druck auf die Patienten ausüben werden um trotzdem, wie schon bisher, mittels  Zustimmungserklärungen  und anderer „Tricks“  an gewünschte Daten heranzukommen.

5)      geheime Daten: Informationen, die der Patient den Behandelnden generell nicht zugänglich machen möchte: wie schon bisher hat der Patient auch in ELGA das Recht dem Behandler Informationen zu verweigern. Gesetzlich vorgesehen ist dies speziell für HIV-Erkankung, Schwangerschaftsabbrüche und psychische Erkrankungen. ELGA bleibt somit aus der Sicht des Behandlers in jedem Fall unvollständig bzw. lückenhaft.

 

Für ELGA in Österreich ist eine so differenzierte Freigabe  verschiedener Vertraulichkeitsstufen durch den Bürger/Patienten wie in der schweizerischen E-Health-Strategie nicht geplant, wäre aber wünschenswert.

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 16:55

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Nebensächlichkeiten werden zur Kernkompetenz, Kernkompetenz wird zur Nebensächlichkeit

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Mit diesen Worten charakterisierte ein mir bekannter Techniker sein Verhältnis zwischen seinem erlernten Beruf und seiner heute zusätzlich notwendigen EDV-Dokumentation und -Administration. Auch in der hausärztlichen Tätigkeit verschiebt sich dieses Verhältnis immer mehr zuungunsten unserer Arbeit mit und für den Patienten.

Kaum eine berufliche Tätigkeit ist heute noch ohne den begleitenden Einsatz der EDV denkbar. Unter dem Ziel der verbesserten Prozeßqualität geschieht dies auch in unseren Praxen. Wer von uns könnte sich noch vorstellen (außer in Einzelfällen bei Hausbesuchen, etc.) Rezepte und Zuweisungen in mehr oder weniger leserlicher Schrift  handschriftlich auszustellen? Allerdings lenkt uns die notwendige ständig steigende Hinwendung zur EDV während des Gesprächs mit dem Patienten zunehmend von dessen eigentlichen Problemen ab.  Gefördert auch vom Administrations- und Rechtfertigungsaufwand für die Krankenkassen (ABS-Bewilligungen, etc.), gilt  unser Blick und unsere Aufmerksamkeit mehr dem Bildschirm als dem Menschen, der vor uns sitzt. Patienten beklagen dies auch zunehmend mit Recht, mit ein Faktor dafür, daß andere Heilberufe, die Ihre Zuwendung und Zeit ganz dem Hilfesuchenden widmen, boomen. Wir müssen aufpassen und verhindern, daß wir uns als Ärzte immer mehr zu akademisch graduierten medizinischen  EDV-Administratoren entwickeln.

Ein Dilemma, das sich mit ELGA durch die Menge  an zugänglichen Dokumenten und den Zeitaufwand diese auf für uns notwendige Informationen zu prüfen, wieder um einen „Quantensprung“ verschlimmern könnte. ELGA sollte daher nicht als  „Informations-Hängematte“ für Patienten dienen, die den Aufwand und die Verantwortung für die Informationsbeschaffung komplett auf den Arzt abschieben wollen. Selbstbestimmung des Patienten („Patient-Empowerment“) wird sich auch in Zeiten von ELGA an dessen Mitarbeit bei der gezielten Anamnese und sonstiger Informationsbeschaffung messen.

Politik und Verantwortliche arbeiten derzeit im Rahmen des kürzlich beschlossenen ELGA-Gesetzes an deren Umsetzung. ELGA kann uns in vielen Situationen aber nur dann wirklich mit Information unterstützen, wenn wir selbst unsere Wünsche und Anforderungen in die  Gestaltung einbringen. Nehmen Sie sich bitte die Zeit, sich selbst laufend über Entwicklungsstand und –absichten zu informieren und Ihre Einwände und Forderungen bei den Verantwortlichen (Politik, Sozialversicherung, Arztsoftwareentwickler, etc.)  einzubringen. Nutzen Sie dazu Veranstaltungen zu diesem Thema (Conect Informunity „E-Health“ , Business Circle „ELGA Dialog-Forum“,  ADV ) oder initiieren Sie selbst z.B.  Bezirksärztetreffen oder Kundentreffen Ihrer Arztsoftwarehersteller. Überlassen Sie dies nicht alleine den Vertretern unserer Ärzte-Kammern und sonstiger Interessensvertretungen, denn nur mit deren aktiver Unterstützung durch die ärztliche Basis sind diese in der Lage politisches Gewicht zu erreichen.

Nur von uns selbst an der Basis gestaltete praxistaugliche „Usability“ wird der EDV jenen Platz und Umfang in unserer ärztlichen Tätigkeit zuweisen, der ihr zusteht und uns langfristig den Schwerpunkt auf der  Beschäftigung mit unserer Kernkompetenz, der Medizin, erhalten.

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 16:48

Medizinprodukt EDV: Wie schlechte Usability Patienten gefährdet und hohe Kosten verursacht

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Betriebssoftware von medizinischen Geräten wird heute bereits zunehmend als Medizinprodukt angesehen und muß dementsprechend auf Sicherheit geprüft und zertifiziert werden. Noch nicht beurteilt wird die Usability (Gebrauchstauglichkeit) der Arztsoftware (ASW) und Krankenhausinformationssysteme (KIS) als wesentliches Kriterium im Hinblick auf die  Patientensicherheit und Kosten für die Anwender.

 

Verbessertes Prozeßmanagement,  präzise, nachvollziehbare Dokumentation und elektronische Kommunikation ohne Medienbruch sollen die Behandlungsqualität steigern. In vielen Bereichen hat dies auch vom Ansatz her funktioniert. Wer von uns möchte heute noch ohne die Möglichkeiten der elektronischen Datenübertragung für Labor- und andere Befunde und ohne elektronische Dokumentation und Abrechnungsmöglichkeit seine Praxis führen?

 

Zunehmend tritt dabei aber ein Problem auf: Der Zeitaufwand  für und die Konzentration auf  unsere Eingaben am Computer für die Dokumentation und das Prozeßmanagement (elektronische Zuweisungen für Laboruntersuchungen, Abrufen und Bearbeiten von Befunden, elektronischer Ausstellungen von Rezepten, elektronischer Kommunikation mit der Sozialversicherung  mit  ABS, e-AUM, VUN,  etc.) erreicht immer mehr ein Ausmaß, bei dem kaum mehr Zeit für unsere eigentliche Aufgabe, die Betreuung des Patienten, übrigbleibt und diese damit in den Hintergrund tritt. Einfache Prozesse, die wir im „Papierzeitalter“ rasch und unauffällig neben der Kommunikation mit dem Patienten erledigen konnten, werden heute durch elektronische Verarbeitung  zwar perfekt nachvollziehbar, erfordern aber deutlich mehr Zeitaufwand und oft volle Konzentration auf den Prozeß.  Die Anforderung an uns und unser Ordinationspersonal steigen weiter massiv, die notwendige Einschulung und Training für die Bedienung wird immer umfangreicher.  Es wird damit auch immer schwieriger und teurer entsprechendes Personal zu finden.  Viele neue Ordinationshilfen werfen auf  Grund der Belastung bereits nach kurzer Einarbeitungszeit „das Handtuch“ und kündigen wieder, langjährig tätiges Personal und auch Kollegen geraten  in den „BurnOut“.

 

Nicht umsonst klagen deshalb auch viele Patienten, daß „ihr Doktor nur mehr in den Computer schaut“ und fühlen sich mißachtet, womit auch der Zustrom der Menschen zu den nicht dokumentationspflichtigen paramedizinischen Berufen, die ihre ganze Zeit gegen entsprechende Barbezahlung noch wirklich den Anliegen des Patienten widmen können,  extrem zunimmt. 

 

Diese Hinwendung und Konzentration des Arztes auf Bildschirm und Eingabegeräte statt auf den  Patienten ist aber nicht nur unangenehm und lästig , sondern gefährdet durch die dann fehlende volle Aufmerksamkeit und Zeit für die eigentliche ärztliche Tätigkeit (Gespräch, Untersuchung, Beratung) auch die ärztliche Entscheidungsfindung und damit die Patientensicherheit.

 

Extrem verstärkt werden diese Belastung en durch schlechte Usability (Gebrauchstauglichkeit) der Programme. Die wesentlichsten Kriterien für gute Usability sind einfache, intuitiv erlernbare Bedienung und geringer Zeitaufwand  durch schlanke, rasche Prozesse. Außerdem muß der  dennoch ansteigende erhöhte Zeitaufwand für Schulung, Training, Bedienung und der technische Aufwand für die Hardware (Anschaffung, regelmäßige Erneuerung, Wartung) den Anwendern entsprechend tariflich vergütet werden.

 

Es liegt an uns Ärzten, diese Problematik zu öffentlich thematisieren und  die entsprechenden Forderungen für Adaptierungen als Bedingung  für den weiteren Ausbau des EDV-Einsatzes  im Gesundheitsbereich an die Hersteller, die Politik und Sozialversicherung zu stellen.

Z� r� �die uns in der Praxis in unserer Arbeit dann wirklich unterstützen kann.

 

In den Arbeitsgruppen wurden untere anderem folgende Fakten zum „Patient Summary“ als Grundlage für weitere Entwicklungen  erarbeitet:

–          Ziel: … schnell und umfassend über den medizinischen Gesamtzustand des Patienten informieren, ohne die gesamte Patientenakte lesen zu müssen

–          Verbesserungspotential:  … Zeitersparnis durch Verfügbarkeit vollständiger und qualitätsgesicherte Patientenstammdaten (Adressen, Arbeitgeber, Kontaktdaten, Sachwalter, …)

–          Risiken:  …. Mögliche Fehlbehandlungen durch fehlende Aktualität und Vollständigkeit, unklare Relevanz, Haftungsfragen, Datenschutz, …

–          Diagnosedaten:  … Die Bestimmung der medizinischen Relevanz von Diagnosen und Behandlungen kann nicht automatisiert entschieden werden…

–          Notfalldaten:  … übersichtliche Präsentation der Daten und die kurze Zugriffszeiten sind im Notfall essentiell…

–          Umsetzungsvarianten und Übergangslösungen: 
… automationsunterstützte Zusammenstellung:  …benötigen  langfristige Vorbereitung … und es kann weitere Jahre dauern ..  um ein aussagekräftiges Patient Summary zu generieren   …     …manuelle/individuelle   Erstellung des Patient Summary durch einen Autor bedeutet einen deutlichen Mehraufwand für Ärzte und Ärztinnen, der gegenwärtig nicht durch das Finanzierungssystem im Gesundheitswesen abgedeckt ist…  ist beeinflusst von persönlicher Sicht und Engagement des Erstellers  …  ist  technisch einfach umzusetzen …  (Co-) Finanzierung durch Patienten diskutiert  …   …

–          Zwischenlösungen bzw. Übergangsszenarien wie halbvollständige Patient Summaries oder geringgradig strukturierte Zusammenstellungen müssen in Betracht gezogen werden … 

–          Umfragen unter Ärzten zeigen keine oder nur sehr geringe Bereitschaft zum Erstellen und Pflegen eines Patient Summary …

–          Fazit:  …Vor der Umsetzung eines Patient Summary sind der medizinische Nutzen und die zusätzlichen Dokumentationsaufwände zu evaluieren. Empfohlen wird eine ausreichende Evaluierung des Konzeptes in „Pilotbetrieben“ mit unterschiedlichen Schwerpunkten … Die Bereitstellung eines Patient Summary über ELGA erfordert nicht nur technische, sondern vor allem politische, organisatorische und finanzielle Begleitmaßnahmen

 

Diesen Feststellungen ist wenig hinzuzufügen. Außer dass es, wie so oft, an uns liegt, genau diesen medizinische Nutzen (und Risiken) und die zusätzlichen Dokumentations- (und finanzielle) Aufwände für uns zu evaluieren und entsprechende ärztliche Wünsche und Forderungen politisch einzubringen. Davor sind Information, Diskussion und Meinungsbildung notwendig, bitte tragen Sie dazu bei!

 

 

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 15:07

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„Gesundheitsdaten – Weitergabe durch Ärzte, Apotheker und Spitäler“: Ärzte im Würgegriff von Industrie und öffentlicher Verwaltung

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In vorauseilendem Gehorsam hat unsere Kammer auf unbewiesene Vorwürfe mit polternden Sanktionsdrohungen gegen Kollegen reagiert. Vergessen hat man aber aufzuzeigen wo die tatsächlichen Risiken liegen und wo sich die Hauptabnehmer von personenbezogenen Patientendaten befinden.

 

Wenn wir als Ärzte  – EDV-gestützt – sorgfältig unsere diagnostischen Erhebungen und therapeutischen Handlungen dokumentieren, fallen eine Menge Daten und Informationen an, die für uns selbst, die Wissenschaft, die Pharma- und sonstige Industrie, die (Sozial-) Versicherungen und auch den Staat (für Planungs- und Steuerungsmaßnahmen) einen großen Wert darstellen. Es ist daher wenig verwunderlich, daß letztere  verschiedenste Maßnahmen treffen, um in den Besitz dieser Daten zu kommen.

 

Kein vernünftig denkender Kollege wird für 432.- Euro (oder auch mehr) pro Jahr personenbezogene Medikationsdaten an ein Marketingunternehmen verkaufen, doch waren offenbar 350 Kollegen bereit dem Unternehmen anonymisierte Verschreibungsdaten liefern,

 

Bleibt die Frage nach der Berechtigung und Notwendigkeit der Weitergabe personenbezogener Gesundheitsdaten an die wohl größten Abnehmer: die Sozialversicherungen und  damit an den Staat (für „Planungs- und Steuerungsmaßnahmen“):  Dessen Umfang im modernen Informationszeitalter neu zu diskutieren und zu definieren um die ärztliche Verschwiegenheitspflicht in zeitgemäßem Ausmaß aufrechtzuerhalten ist vielleicht die wichtigste gesundheitspolitische Aufgabe der nächsten Zeit. Für mich ist durchaus eine anonymisierte Diagnoseübermittlung an und Medikations- bzw.  Leistungsverrechnung mit den Sozialversicherungsträgern vorstellbar.

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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 14:42

Datenträgergestützte dezentrale elektronische Gesundheitsakten am Beispiel des „MaxiDoc“ – USB – Sticks

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Wer in Zukunft aus persönlichen Gründen nicht an ELGA teilnehmen oder schon jetzt relevante medizinischen Dokumenten seinen Behandlern elektronisch bereitstellen möchte kann dies unter anderem  mittels eines USB-Datenträgers tun.  Um der  besonderen Sensibilität von Gesundheitsdaten Rechnung zu tragen und andere Risiken zu minimieren sollte dieser aber speziell dazu vorgesehen sein.

 

Immer wieder kommt aus der Politik, von Patienten und auch aus der Kollegenschaft der Wunsch oder die Forderung nach „Speicherung von Gesundheitsdaten auf der Karte“.  So einfach und plausibel dies scheint:  Die derzeitige „e-Card“ ist aus Kapazitäts- und anderen Gründen nicht  dazu geeignet und es besteht auch keine Absicht sie in diese Richtung weiter zu auszubauen.

 

Es gibt aber andere Vorstöße in dieser Richtung: Bereits vor einigen Jahren hat eine private Gruppe von Allgemeinmedizinern und Informatikern in einer ländlichen Gegend in Deutschland  einen USB-Stick entwickelt und versucht diesen zum Vorteil von Patienten und Ärzten in den ambulanten Behandlungsprozeß einbinden. Der Stick ist auch im Scheckkartenformat erhältlich und kann damit ebenso leicht wie die e-Card jederzeit mitgeführt werden. Jeder Behandler, der entsprechende Informationen benötigt, kann diese rasch von diesem USB-Stick auf jedem windows-basierendem PC abrufen und mit einem speziellen Schreibprogramm für Ärzte auch weitere Dokumente von der Arztsoftware auf den Stick laden.

Die Besonderheit an dem System besteht darin, daß dem Arzt die Sicherheit gegeben wird sich bei der Benutzung dieses patienteneigenen USB-Sticks keine Viren oder sonstige Schadprogramme in sein Computersystem einzuschleppen.  Daneben sind natürlich auch alle anderen Vorteile eines patienteneigenen privaten Datenspeichers zu finden: informelle Selbstbestimmung des Patienten, Vertraulichkeit, weltweite Nutzbarkeit, keine online Verbindung erforderlich, frei zugängliche Notfalldaten, etc. Selbstverständlich sind auch alle bereits von früher vorhandene, alte Dokumente integrierbar (in ELGA werden dagegen nur die ab Einführung neu erstellten Dokumente – vorläufig eingeschränkt auf Spitalsentlassungsbrief, Radiologie und Laborbefunde sowie Medikationsdaten –  aufgenommen !). Gegen Karten- und damit Datenverlust kann sich der Patient durch ein Back-up auf seinem Heim-PC schützenund  auch bei seinem Vertrauensarzt sind alle relevanten Informationen gespeichert und wieder abrufbar.

 

Wie läßt sich so ein System auch bei uns zum Erfolg führen?:  primär müßten den Patienten und Ärzten die Vorteile kommuniziert und plausibel erkennbar gemacht werden.  Möglichst viele Ärzte einer Region sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich müßten bereit sein das System zu verwenden. Der Patient (oder auch ein Sponsor) muß die Anschaffungskosten für den USB-Stick (etwa 40.- Euro) akzeptieren und die ärztliche Arbeitszeit (Einschulung, Beratung, Datenbereitstellung und –abspeicherung auf der Karte) vergüten. Ärzte müßten den Installationsaufwand und monatliche Lizenzgebühren von derzeit 40 Euro tragen. Die Kosten für die eventuelle Integration in die jeweilige Arztsoftware  kommen noch dazu.

 

Vorstellbar für mich ist, einen Test in einer definierten, umschriebenen Region in Österreich mit einer interessierten Zielgruppe an Patienten (chronisch Kranke, z.B. Diabetiker, Herzpatienten, etc. ) und Ärzten zu starten. Wesentlich für den Erfolg wäre eine „kritische Masse“ an Benutzern (Ärzte, Patienten) zu erreichen. Wer von Ihnen traut sich das zu versuchen ?

Wie man leicht erkennen kann ist die Einführung und Verwendung eines solchen Programms (wie auch bei ELGA)  vor allem eine interessante Aufgabe für Marketing-Spezialisten, die technischen Voraussetzungen bestehen bereits und werden laufend ausgebaut.

PS: eine rein theoretische Kostenschätzung für eine flächendeckende Einführung in Österreich:
Die Ausstattung aller Österreicher  mit einem solchen Stick würde etwa  80 Millionen Euro kosten (8 Millionen Einwohner  x  geschätzte, durch Massenproduktion reduzierte Kosten von 10 Euro/Stick), damit  etwa soviel wie die Systemkosten von ELGA betragen.  Dazu kommen für uns Ärzte, ebenso wie bei ELGA, die Installations- und Wartungskosten sowie der zusätzliche Zeitaufwand.

All dies sollte man überlegen, bevor man  nach „Speicherung von Gesundheitsdaten auf der Karte“ ruft!

Weitere Informationen unter www.maxidoc-health.com/
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Written by Dr. Christian Husek

29. Mai 2014 at 12:42