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Des Kaisers neue Kleider

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Gastkommentar von Dr. Christian Euler

Vor knapp dreihundert Jahren führte Hans Christian Anderson die schon viel ältere Darstellung einer alles in den Schatten stellenden Eitelkeit in unseren Märchenschatz ein.

Einem prunksüchtigen König wird ein sündhaft teures Gewand angeboten, dessen kostbarer Stoff nur von jenen gesehen werden kann, die ihr Amt zu Recht bekleiden und nicht dumm sind. Es bleibt schließlich einem arglosen Kind überlassen mit dem Ausruf: „aber er hat ja gar nichts an“ den König und seine Getreuen bloß, und die unverfälschte Wahrnehmung wieder herzustellen.

Wollte ein Regisseur- wie heute üblich- das Stück mit Gegenwartsbezug zur Aufführung bringen, müsste er es rund um ELGA siedeln.

In kindlichem Glauben an die Vernunft bemüht sich der Hausärzteverband den unrealistischen Erwartungen an die Gesundheitselekronik entgegenzutreten. Die erste von vier ELGA-Säulen, die e-Medikation, geht von falschen Voraussetzungen aus. Eine englische Forschergruppe bescheinigte ihr im Juni 2011 in allen Punkten, von der Arbeitserleichterung für Anwender, über günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis, bis zur Verbesserung der Therapiesicherheit keine oder nur niedrigste Evidenz.

Das aber können „die Könige“ nicht sehen. Eine tüchtige IT-Lobby hat Ihnen mit über 60.000 wissenschaftlich wertlosen Arbeiten den Stoff vorgestellt, den nur jene verstehen, die zu Recht ihr Amt bekleiden und nicht dumm sind. Wer wollte es da riskieren, sich eine Blöße zu geben. Was der Stoff kostet ist noch unbekannt. Bitte nicht kleinlich sein, wenn Großes umgesetzt wird. Die einzigen, die bisher wirklich umsetzen sind die IT-Konzerne, sie weben weiter an dem für sie wertvollen Stoff.

So also stehen die eifrigen Reformer da, umgeben von deren Hofstaat, den Meinungsmachern im Gesundheitswesen, den sich staatstragend fühlenden Kämmerern, den mit dem Gefühl besonderer Wichtigkeit geblendeten Patientenvertretern und fordern, angetan mit einem schuldenfinanzierten, aus Hirngespinst gewebten Ornat aus Fortschrittsglauben und Realitätsverlust und tadeln die Ärzteschaft ihrer blinden Sturheit wegen.

Wir aber müssen diesen Märchenfaden nicht sehen, sind wir doch wegen unserer grundsoliden universitären Ausbildung und dem täglich neu bekräftigten Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten im Amt. Wir sehen die Wirklichkeit und warnen laut und beharrlich vor dem Weg, auf den die Nackten unsere Patienten führen wollen.

Written by Dr. Christian Husek

28. November 2011 um 20:47

Eine Antwort

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  1. Des Kaisers alternative Kleider,

    Einem prunksüchtigen König wird ein einfaches unscheinbares Gewand angeboten, dessen einfacher Stoff nur von allen gesehen werden kann, die kein Amt zu Recht bekleiden und nicht von hoher Abstammung sind. Es bleibt schließlich einem arglosen Kind überlassen mit dem Ausruf: „aber er hat ja wirklcih was schönes an“ den König und seine Getreuen bloß, und die unverfälschte Wahrnehmung wieder herzustellen.
    Das aber können „die Könige“ nicht sehen. Eine tüchtige IT-Lobby hat Ihnen mit über 60.000 wissenschaftlich wertlosen Arbeiten den Stoff vorgestellt, den nur jene verstehen, die zu Unrecht ihr Amt bekleiden und ganz schön dumm sind. Wer wollte es da riskieren, sich eine Blöße zu geben. Was der Stoff kostet ist eigentlich bekannt aber zu einfach. Bitte nicht großzügig sein, wenn kleines umgesetzt werden soll.
    Neben den IT Konzernen gibt es tatsächlich einige Kollegen die einen einfachen Stoff produzieren, der aber sehr wertvoll und nützlich ist. Man muss es nur sehen wollen.

    Christian, wie immer toll formuliert
    Ich hab es mal etwas ugeschrieben sodass es auf mein Projekt passt. Eventuell passt es hier und da nicht ganz, aber man wird es schon verstehen.
    maxidoc.de.
    Sollte man kennen,
    Es geht auch einfach und trotzdem hoch modern, wenn es um die Krankengeschichte geht.
    Halt ein alternativer wEg
    Nur hier ist und bleibt der Patient Herr seiner Daten.

    Dr.med. Franz Tenbrock

    28. November 2011 at 23:26


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